016 - Ein Backup-Konzept fuer Fotografen

016 Ein Backup Konzept fuer FotografenWas bedeutet Backup und brauche ich als Fotograf überhaupt ein Backup?

In diesem Artikel will ich die Dringlichkeit eines Backups aufzeigen und dir meine Überlegungen zu einer vernünftigen Backupstrategie mitteilen.

Da ich von vielen Anwendern höre, dass sie sich angeblich um ein Backup keine Sorgen machen müssen, weil sie stolze Besitzer einer NAS mit integrierter Spiegelung sind, möchte ich hier erst einmal die einzelnen Begriffe und Systeme differenziert betrachten.

Wann besitze ich ein echtes Backup meiner Daten?

Ein Backup oder eine Sicherung liegt nur dann vor, wenn eine exakte Kopie des Datenbestandes auf mindestens zwei Medien vorliegt. Meistens handelt es sich beim Ersten, um das produktiv eingesetzte Medium und beim Zweiten, um ein zusätzliches, reines Sicherungsmedium. Gleichzeitig müssen beide Medien voneinander unabhängig sein und am besten, an unterschiedlichen Orten aufbewahrt werden. Die Aufgabe eines Backups ist es, einem möglichen Datenverlust vorzubeugen.

Was ist eine NAS und schützt mich ein NAS System vor einem Datenverlust?

Eine NAS also Network Attached Storage ist eine zentralisierte Erweiterung der Datenspeicherkapazität. Nicht mehr und nicht weniger. Es ist bei weitem kein Backupsystem. Meistens handelt es sich bei einer NAS um das Produktivmedium, auf dem alle Daten zentral abgelegt werden.
Nun gibt es unterschiedliche NAS Systeme. Meistens sind die NAS-System mit 2 Festplatten aufwärts ausgestattet. Sie beinhalten bestimmte Mechanismen, um eine höhere Ausfallsicherheit zu gewährleisten. Angefangen von dem kleinsten 2 Platten System, mit einer integrierten Spiegelung bis hin zu hoch komplexen Systemen, die einen Verbund von Minimum 3 Festplatten vorsehen und für erhöhte Geschwindigkeit inkl. erhöhter Ausfallsicherheit sorgen. Bei diesen Systemen ist selbst beim Ausfall von einer Festplatte, die Funktionalität des Systems weiterhin gegeben.

Überprüfen wir nun ein NAS System mit Spiegelung auf die Tauglichkeit als Backup-System.
  1. Liegt eine exakte Kopie des Datenbestandes auf mindestens zwei Medien vor?
    Ja, bei einer Spiegelung liegt durch Synchronisation der Daten eine exakte Kopie der Daten vor. Übrigens, bei einem RAID 5 System wäre schon die erste Voraussetzung nicht gegeben, da hier die Datenkopie mit Hilfe eines ausgeklügelten Algorithmus über alle Festplatten verteilt wird.

  2. Sind die beiden Medien mit dem gleichen Datenbestand voneinander unabhängig?
    Nein, durch den Verbund der Festplatten ist immer eine Abhängigkeit untereinander gegeben. Da die zweite Voraussetzung nicht erfüllt ist, handelt es sich bei einem NAS mit Spiegelung um kein Backup System. Im unteren Absatz beleuchte ich den Hintergrund, warum ein NAS kein Backup-System ist.
Schützt mich eine Spiegelung vor einem Datenverlust?

5D3 7457Bei einer Spiegelung wird in kurzen Zeitabständen eine vollautomatisierte Synchronisierung zweier Festplatten vorgenommen. Ein eventueller Virus wird also mitgespiegelt, was einem Datenverlust gleichkommt. Denken wir als Beispiel nur mal kurz an den Verschlüsselungstrojaner. Durch die Spiegelung würden beide Datenbestände der Gefahr einer erpresserischen Verschlüsselung ausgesetzt werden.
Ein versehentliches Löschen der Daten durch den Benutzer wird ebenfalls blitzschnell auf die gespiegelte Platte synchronisiert, damit sind die Daten ratzfatz von beiden Spiegelungsfestplatten gelöscht.

Wie du siehst, stehen beide Festplatten durch die vollautomatisierte Synchronisation in Abhängigkeit zueinander. Durch diese Abhängigkeit schützt dich eine Spiegelung keines Falls vor einem Datenverlust. Eine Spiegelung dient lediglich der Ausfallsicherheit des Systems.

Fällt nämlich eine Festplatte aus dem Spiegelungssystem aus, dann hast du eine exakte Kopie des Datenbestandes (mit all seinen Nachteilen, wie eben erwähnt) auf der zweiten Festplatte und kannst mit deiner Arbeit fortfahren. Nach Austausch der defekten Festplatte, wird die intakte Platte auf die neue wieder gespiegelt. Damit wird einem Totalausfall vorgebeugt und du bleibst in diesem Szenario handlungsfähig.

Weitere worst-case Szenarien sind ein Brand, ein Diebstahl oder ein Ausfall des gesamten Spiegelungssystems. In diesen Fällen hast du ebenfalls keinen Fallschirm, der den Datenverlust auffängt. Hier würde lediglich ein echtes Backup auf einem zweiten unabhängigen Medium helfen. Zusätzlich müsste sich dieses Medium an einem anderen Ort befinden, um nicht zusammen mit dem Produktivdatenbestand vernichtet oder geklaut zu werden.

Wo deponiere ich mein Backup, um den Datenverlust durch Feuer oder Diebstahl zu vermeiden?

Nun hier gibt es mehrere unterschiedliche Möglichkeiten. Du könntest eine verschlüsselte Backupfestplatte bei Freunden, Verwandten oder in deinem Office hinterlegen. Oder du benutzt zwei identische NAS Systeme, die an unterschiedlichen Orten stehen und sich gegenseitig per Internetleitung synchronisieren. Oder du entscheidest dich für einen der vielen Clouddienste. Natürlich hängt das Auslagern der Datensicherung in die Cloud von der Datenmenge und von der Performance der Internetleitung ab. Fast alle bekannten Cloudanbieter bieten lediglich nur eine Kapazität von 5 GB kostenlos an. Bei einem mittleren Fotoarchiv von mehreren Jahren, wenn man unterstellt, dass mindestens 10.000 Fotos pro Jahr gemacht werden, ist man schnell im Terabyte Bereich. Bei diesen Kapazitäten lohnt sich ein Preis-Leistungsvergleich der Anbieter. Wobei hier im Vorfeld recherchiert werden sollte, wie es um den Datenschutz bei den Anbietern bestellt ist.

Schützt mich eine Kopie der Daten auf eine zweite, interne Festplatte vor einem Datenverlust?

Eine Kopie der Daten auf eine zweite, interne Festplatte des Produktivsystems läuft Gefahr, durch eine Beschädigung des Systems (typischerweise Kurzschluss, Überspannung, Netzteilschaden) in Mitleidenschaft gezogen zu werden. Somit wären in diesem Szenario beide Datenbestände beschädigt, was einem Datenverlust gleichkommt.

Genug der Theorie und Begriffserklärung

Wie sieht denn nun meine Backupstrategie aus?

Ich habe ein Produktivsystem bestehend aus einem MacBookPro mit einer 500 GB SSD und einer NAS, die als zentrale Datenablage konfiguriert ist. Die NAS beinhaltet zwei Festplatten a 4 TB. Beide Festplatten werden gespiegelt. Auf meinem MacBook benutze ich Lightroom als Katalog zur Verwaltung meiner Fotos. Die importierten Bilder werden auf die NAS gespeichert. Alle Veränderungen der Bilder, die durch die Entwicklung in Lightroom vorgenommen werden, speichert Lightroom, RAW-File unabhängig, in seinem Katalog. Damit diese Veränderungen bei einer Beschädigung der internen Festplatte meines MacBooks nicht verloren gehen, benutze ich auf dem MacBook das hauseigene Sicherungsprogramm Time Machine. Time Machine erstellt stündlich eine differentielle Sicherung und legt diese auf die NAS ab.

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Den gesamten Inhalt der NAS sichere ich wöchentlich auf eine externe 4 TB Festplatte (HDD1). Damit habe ich ein echtes Backup meiner Produktivdaten. Zusätzlich wird eine zweite externe 4 TB Festplatte (HDD2) mit einer weiteren Kopie der Daten versehen. Die Sicherungen auf die externen Festplatten erfolgen im Wechsel, so dass ich immer ein Medium mit dem aktuellen Bestand und eins mit einem eine Woche alten Bestand habe. Beide externe Festplatten sind verschlüsselt. Die zweite Kopie lagere ich an einem komplett anderen Ort, so dass ein Diebstahl, Feuer- oder Wasserschaden nicht dafür sorgt, dass es zu einem kompletten Datenverlust kommen kann.
Momentan überzeugen mich die Clouddienste noch nicht. Ich würde ihnen, stand heute, meine wertvollsten Daten (meine Fotos) nicht blind anvertrauen. Vielleicht wird sich das jedoch durch eine Verschärfung der Datenschutzgesetze in naher Zukunft ändern.

Hier siehst du den gesamten Sicherungsvorgang nochmal in einer Infografik:

Backup Skizze

Sollten irgendwann die 4 TB Festplatten voll sein, kann ich meine NAS um bis zu zwei Festplatten erweitern. Im ersten Schritt würde ich dann ein RAID 5 mit drei 4 TB Festplatten anlegen. Daraus ergibt sich eine Kapazität von 8 TB. Beim RAID 5 gilt für die Kapazität folgende Formel: Gesamtkapazität = (n-1) x Festplattenkapazität, wobei n die Anzahl der Festplatten mit identischer Festplattenkapazität ist. Natürlich muss ich dann zwei 8 TB Festplatten als externe Backupfestplatten nachkaufen.

Im Übrigen ist nicht nur das Backup extrem wichtig, sondern auch die einwandfreie Wiederherstellung der Daten. Daher empfehle ich spätestens alle 6 Monate einen Wiederherstellungstest durchzuführen, um so die einwandfreie Funktionalität aller an der Sicherung beteiligten Medien zu überprüfen.